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Risiko- und Prognoseinstrumente

Im Rahmen der Behandlung werden alle Patienten mit Hilfe international anerkannter Prognoseinstrumente in Bezug auf den zu erwartenden Therapieverlauf und die Legalprognose beurteilt, um individuelle Risikofaktoren zu erfassen.
In unserer Klinik kommen zur Anwendung:
FOTRES (Forensisches Operationalisiertes Therapie-Risiko-Evaluations-System)
Das klinische Instrument dient zur Beurteilung von Straftätern. Berücksichtigt werden die Vorgeschichte, Persönlichkeitsstruktur und Tatanalyse, Therapieverlauf, Aspekte des Rückfallrisikos und der zu erwartende Therapieerfolg. Neben den risikorelevanten Merkmalen erfasst das FOTRES auch Variablen des gegenwärtigen Therapieverlaufes, um somit Prognose und Rückfallrisiko erfassen zu können. Dabei können auch therapeutische Fortschritte und Veränderungsprozesse in einem aktuell simulierten Szenario abgebildet werden. Im Verlauf des Jahres 2007 wurde in der Klinik ein Schulungskonzept entwickelt mit dessen Hilfe die Verlaufsdokumentation anhand von FOTRES Kriterien standardisiert und somit vereinheitlicht wurde (HADOMA). Unser Dokumentationssystem erhöht die Eindeutigkeit von Einträgen in die Patientenakten und dient damit der Qualitätssicherung.
HCR-20
Die Abkürzung HCR-20 bedeutet, „History-Clinical-Risk-20“, das heißt, das Instrument basiert auf drei Beurteilungsebenen „H“, „C“ und „R“, die anhand von 20 Items erfasst werden. Der HCR-20 versteht sich als Prognose-Checkliste für zukünftiges gewalttätiges Verhalten. Die zehn H-Items (history) erfassen in anamnestischer Weise die Vorgeschichte des Betroffenen und gelten als statische Variablen. Die fünf C-Items (clinical) sind als klinische Variablen zu verstehen, die aktuelle Veränderungen oder Veränderungsprozesse abbilden und somit ein mögliches Gegengewicht zu den statischen Variablen bilden. Die fünf R-Items (risk) beurteilen zukünftige Risikobereiche.
PCL-SV
Die Abkürzung PCL bedeutet „Psychopathy Checklist-Screening Version“. Die PCL-SV erfasst anhand von insgesamt zwölf Items zwei Hauptfaktoren die dazu dienen sollen „Psychopathy“ zu erfassen. Die beiden Faktoren (F1 und F2) bilden mögliche besondere Verhaltensstile der Täter ab, nämlich den „interpersonellen-affektiven“ Stil (F1) sowie den „dissozialen“ Stil (F2). In den beiden Hauptkategorien sind Unterfaktoren abgebildet, anhand derer „Psychopathy“ differenziert erfasst und über den sich ergebenden Gesamtscore abgebildet werden kann. Es handelt sich um die Unterfaktoren „narzisstisch-betrügerisch“ und „affektiv-gemütskalt“ bei F1 sowie um die Unterfaktoren „impulsiv-verantwortungslos“ und „delinquent-antisozial“ bei F2.
Multidisziplinärer Beurteilungsbogen
Vor Lockerungen und Weiterstufungen wird die aktuelle Risiko- und Prognosebeurteilung von den verschiedenen Berufsgruppen des behandelnden Teams erarbeitet. Dieser spezielle Beurteilungsbogen wurde in einer Arbeitsgruppe entwickelt und gibt maßgeblich Auskunft über die momentane Mitarbeit und den momentanen Therapiestand des Patienten.
Lockerungsvoraussetzungsbogen
Mit der Erstellung des Lockerungsvoraussetzungsbogens wurde dem Ziel der Übersichtlichkeit der lockerungsrelevanten Patientendaten und der Erfassung der für eine Prognose notwendigen Faktoren Rechnung getragen. Dieser Bogen, der in erster Linie von den behandelnden Bezugstherapeuten vor den ersten Lockerungen der Patienten auszufüllen ist, beinhaltet Angaben zu den Personalien, den Diagnosen - insbesondere den deliktrelevanten Aspekten der Diagnose -, zu dem Therapieverlauf und zu den Ergebnissen aus der Anwendung der prognostischen Instrumente. Die Patienten selbst werden aufgefordert, ihre individuellen Risiko- und Schutzfaktoren im Hinblick auf Sucht und Delinquenz auszuarbeiten und sich dementsprechend explizit mit ihrer Rückfallprophylaxe auseinanderzusetzen. Ein gezieltes Risikomanagement schließt sich an, in dem aufgeführt wird, wie die angestrebte Lockerungsstufe vorbereitet und umgesetzt werden soll, außerdem wie den spezifischen Risikomerkmalen vorgebeugt werden kann. Der Lockerungsvoraussetzungsbogen stellt zusammenfassend die Ergebnisse über den aktuellen Stand der Therapie dar und verschafft nicht nur dem behandelnden Team, sondern auch den weiterführenden Stationen und den für die Lockerung Verantwortlichen einen Überblick über den Therapieverlauf der einzelnen Patienten inklusive aller Besonderheiten.
